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Ende einer Ära

Auf Ende Schuljahr 2008/09 wurden neben dem Verwalter Hans Peter Schmid, mit Gaudenz Pellizzari, Fritz Wenk und Hans-Peter Dreyer drei pädagogische «Urgesteine» verabschiedet und gehen in Pension.

Hans Peter Schmid

Vier Rektoren hat der Wattwiler Hans Peter Schmid in seiner Amtszeit als Verwalter der Kanti Wattwil erlebt. Die Redewendung: «Wähle einen Beruf, den du liebst und du musst keinen einzigen Tag in deinem Leben arbeiten» trifft wohl nur selten so präzise auf eine Person zu wie auf Hanspeter Schmid, auch wenn er – heute wohl undenkbar – zu Beginn seiner Tätigkeit noch regelmässig am Samstagvormittag zum rektoralen Steno-Diktat zu erscheinen hatte.

Der reguläre Schulbetrieb findet heute natürlich auch an der Kanti «nur» noch von Montag bis Freitag statt. Seinen Beruf hat Hanspeter Schmid immer sehr integral verstanden. Offensichtlich waren sein hohes Berufsethos und die grosse Verbundenheit zur Schule. «Hanspeter Schmid war nie der klischeehafte, typische Beamte», charakterisierte ihn kürzlich ein Lehrer. «Er ist einer, der stets ein offenes Ohr hat. Er hat einen Kopf zum Denken und das Herz am rechten Fleck.»
Hans Peter Schmid führte die Verwaltung der Kanti seit 1988. Er geht nach 21 Jahren in Pension

Hans-Peter Dreyer

Physiker und Lehrer-Präsident
Dasselbe gilt ohne Einschränkung auch für Hans-Peter Dreyer. Der Bernbieter kam nach dem Studium an der ETHZ 1972 eher zufällig ins Toggenburg – und ist sehr gerne (in Ebnat-Kappel) geblieben. Er prägte zusammen mit dem verstorbenen Herbert Schmucki bis zur Jahrtausendwende die Physik der Kanti. Erst in den letzten Jahren hat er sich schwerpunktmässig zur Mathematik verlagert. Ein sehr umfassendes, integrales Bildungsverständnis war Hans-Peter Dreyer schon immer eigen.

Zentrales Anliegen in seinem Unterricht neben der fundierten fachlichen Ausbildung war stets die Einbettung in die grösseren Züge einer guten Allgemeinbildung, die Erziehung der Maturandinnen und Maturanden zu kritisch denkenden jungen Erwachsenen. Ein besonderes Flair hatte Hans-Peter Dreyer auch immer für die Geschichte und die Kultur. «Gerne erinnere ich mich an meine erste Kanti-Bläser-Serenade im Innenhof der katholischen Kirche. Ich war damals noch so jung, dass die Lokalzeitung mich zu den Schülern des Quintetts zählte.

..» erinnert er sich an seine jungen Lehrerjahre. Hans-Peter Dreyer war in den letzten vier Jahrzehnten so initiativ, aktiv und speditiv wie kaum ein anderer, sei es als Präsident des Vereins der Schweizerischen Mathematik- und Physiklehrer in den 80er- und 90er-Jahren, als Fachdidaktiker an der ETH Zürich ab 1988, als Schöpfer verschiedener Lehrmittel, als Präsident des Vereins der Schweizerischen Gymnasiallehrer oder als Gemeinderat; die Liste liesse sich fast beliebig verlängern.

In seiner Abschiedsrede zitierte Hans-Peter Dreyer den ehemaligen St. Galler Erziehungsdirektor Ernst Rüesch, der im Juli 1983 in der NZZ sehr trefflich und zeitlos geschrieben hatte: «Persönlichkeiten sind wichtiger als Strukturen.» Als Rektor und ehemaliger Dreyer-Schüler kann ich diese Aussage nur unterstreichen. Die Kanti Wattwil verliert mit Hans-Peter Dreyer nach 37 Jahren eine ausserordentlich prägende Persönlichkeit.


Gaudenz Pellizzari

40 Jahre Mathematik-Lehrer
Auch wenn die Mathematik streng genommen nicht zu den Naturwissenschaften zählt, stehen die 38 Jahre, die der Lichtensteiger Gaudenz Pellizzari an der Kanti Mathematik unterrichtet hat, natürlich in unmittelbarem Zusammenhang zu den klassischen Naturwissenschaften. Bereits vor Abschluss seines Mathematikstudiums an der ETH Zürich unterrichtete er im Jahre 1970, dem Gründungsjahr der Kanti, als Stellvertreter in den Fächern Mathematik und Darstellende Geometrie.

Im Herbst 1971 erhielt er ein Teilpensum als Hilfslehrer und wurde auf Beschluss des Erziehungsrates bereits im April 1972/73 zum Hauptlehrer gewählt – damals begannen die Schuljahre noch im Frühling. In seiner fast 40jährigen Schultätigkeit stellte sich Gaudi Pellizzari mit grossem Engagement immer wieder für zusätzliche Tätigkeiten zur Verfügung. Auch ausserhalb der Kanti engagierte er sich im Bildungswesen.

Während vieler Jahre nutzte er seine Kenntnisse und Fähigkeiten als Mitglied des Bezirksschulrates Neutoggenburg. Er war stets ein ruhiger, stiller und eher im Hintergrund tätiger, dafür aber umso effizienterer Schaffer. Guter Unterricht und eine gute Schule waren ihm während seiner ganzen Schul-Karriere das wichtigste Anliegen.
Klassische Literatur und ein reges Interesse für Kultur im umfassenden Sinn zeichnen schliesslich das Bild eines Naturwissenschafters mit dem Blick fürs Ganze.


Fritz Wenk

Mann der ersten Stunde
Mit seinen 36 Jahren als Chemie-Lehrer ist der Neckertaler Fritz Wenk an der Kanti Wattwil, die 1970 eröffnet worden ist, fast ein Mann der ersten Stunde. Er war lange Jahre, ja Jahrzehnte, Doyen der Kanti-Chemie, war massgeblich am Aufbau der Fachschaft beteiligt und hat sie über 22 Jahre als Fachgruppenchef nachhaltig geprägt. Fritz Wenk gilt als sehr gradlinig mit einem ausgesprochenen Hang zum Perfektionismus.

Weiterbildung war ihm stets ein zentrales Anliegen. Als heutiger Rektor und ehemaliger Wenk-Schüler habe ich die Chemie-Lektionen bei Fritz Wenk noch heute in bester Erinnerung. Ihm ist es, wie dem ebenfalls in Pension gehenden Physiker & Mathematiker Hans-Peter Dreyer bestens gelungen, Generationen von jungen Mittelschülern für die Naturwissenschaften zu begeistern, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Mehrmals – wenn nötig auch unbezahlt – bezog Fritz Wenk mehrmonatige Weiterbildungsurlaube, längere Zeit auch in den USA, um sich fachlich wie auch methodisch bis zur letzten Lektion à jour zu halten.

Als Rektor freut es mich natürlich besonders, wenn die zu verabschiedenden Lehrkräfte deshalb zum Schluss fast ein bisschen traurig sind, wenn sie «gehen müssen».

Martin Gauer,

Rektor Kanti Wattwil

Pensionierung
Wolfgang Sieber